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Die Jahresstatistik des Kimberley-Prozesses weist für 2025 einen Förderwert von 9,23 Milliarden US-Dollar aus, 8,4 Prozent weniger Karat als im Vorjahr. Was De Beers im Halbjahresbericht über Laborsteine sagt, welche Kennzahlen Käufer kennen sollten.

Rohdiamanten 2025: Die Weltförderung sinkt auf 98,8 Millionen Karat, den tiefsten Wert der Kimberley-Statistik ? De Beers erlöst 32 Prozent weniger

Bietigheim-Bissingen, 17.10.2026 (PresseBox) - Die weltweite Förderung von Rohdiamanten ist 2025 erstmals unter 100 Millionen Karat gefallen. Nach der Jahresstatistik des Kimberley-Prozesses, dem Zertifizierungssystem der Förder- und Handelsländer, wurden im Jahr 2025 weltweit 98,8 Millionen Karat gefördert, nach 107,9 Millionen Karat im Jahr 2024. Der Förderwert sank laut der am 13. August 2026 datierten Zusammenfassung auf 9,23 Milliarden US-Dollar, der Durchschnittspreis je Karat stieg dagegen von 88,35 auf 93,43 US-Dollar. Für Käufer von Diamantschmuck im Herbst 2026 heißt das: Der Nachschub an natürlichen Steinen wird knapper, während im Labor gezüchtete Steine den unteren Preisbereich besetzen. Das Fachportal der Provimedia GmbH erklärt die Unterschiede zwischen natürlichen und im Labor gezüchteten Diamanten.

Der Kimberley-Prozess erfasst Förderung, Ein- und Ausfuhr von Rohdiamanten anhand der Zertifikate, die jede grenzüberschreitende Lieferung begleiten müssen. Die Statistik nennt für 2025 zudem 264 Millionen Karat an Ausfuhren im Wert von 25,3 Milliarden US-Dollar, weil Steine auf dem Weg vom Bergwerk zur Schleiferei mehrfach die Grenze wechseln.

Wann die Förderung zuletzt so niedrig lag: noch nie seit Beginn der Zählung

Seit der Kimberley-Prozess im Jahr 2004 mit der Veröffentlichung seiner Jahresstatistik begann, lag die Weltförderung nie unter 100 Millionen Karat. Der bisherige Tiefpunkt war laut den Jahreszusammenfassungen das Pandemiejahr 2020 mit 107,3 Millionen Karat; 2009, im Jahr der Finanzkrise, waren es 120,2 Millionen Karat. Den Höchststand verzeichnet die Reihe für 2005 mit 176,7 Millionen Karat. Seit 2022, als 120,7 Millionen Karat gefördert wurden, ist die Menge drei Jahre in Folge gesunken. Beim Wert liegt 2025 mit 9,23 Milliarden US-Dollar knapp unter dem Jahr 2020 und über 2009, als die Förderung 8,26 Milliarden US-Dollar wert war.

Die Verschiebung zwischen Menge und Wert erklärt sich aus der Herkunft. Russland förderte laut Kimberley-Prozess 2025 mit 31,5 Millionen Karat die größte Menge, im Wert von 2,72 Milliarden US-Dollar. Botswana kam mit 15,5 Millionen Karat auf 1,98 Milliarden US-Dollar und damit auf einen deutlich höheren Wert je Karat. Namibia erzielte mit 2,1 Millionen Karat den höchsten Durchschnittspreis der großen Förderländer, rund 344 US-Dollar je Karat.

Wie De Beers im ersten Halbjahr 2026 mehr fördert und weniger erlöst

De Beers, der größte Förderer außerhalb Russlands, hat seine Halbjahreszahlen Ende Juli 2026 vorgelegt. Nach dem Zwischenbericht von De Beers stieg die Förderung im ersten Halbjahr 2026 um 46 Prozent auf 14,9 Millionen Karat, vor allem weil im Vorjahr die Anlage Orapa in Botswana längere Zeit gewartet wurde. Die konsolidierten Verkäufe legten um 13 Prozent auf 12,4 Millionen Karat zu, der Erlös aus Rohdiamanten sank jedoch von 1,7 auf 1,3 Milliarden US-Dollar. Der durchschnittlich erzielte Preis fiel laut Bericht um 32 Prozent auf 105 US-Dollar je Karat, nach 155 US-Dollar im ersten Halbjahr 2025. Für das zweite Halbjahr 2026 kündigt das Unternehmen wegen geplanter Wartungen in Orapa und Jwaneng eine geringere Förderung an.

?Wenn die Förderung sinkt und der Preis je Karat trotzdem fällt, dann verkauft der Markt gerade eine andere Ware als früher. Die kleinen Steine, aus denen der Großteil der Schmuckstücke besteht, konkurrieren mit dem Labor, die großen nicht. Wer heute kauft, sollte deshalb wissen, in welchem der beiden Märkte sein Stein liegt?, sagt Alexander Weipprecht, Geschäftsführer der Provimedia GmbH.

Wo die Laborsteine den Preis natürlicher Steine drücken

De Beers beschreibt die Lage im Zwischenbericht selbst. Die Nachfrage nach größeren, hochwertigen natürlichen Diamanten sei stabil geblieben, während kleinere Steine und solche geringerer Qualität weiter unter Preisdruck durch im Labor gezüchtete Diamanten stünden. Im Einzelhandel seien die weltweiten Umsätze mit fertigem Diamantschmuck im Vergleich zum Vorjahr stabil gewesen. In den Vereinigten Staaten seien die Verkäufe natürlicher Steine bei unabhängigen Juwelieren wieder gewachsen, in Indien robust geblieben und in China weiter gesunken. Als zusätzliche Belastung nennt das Unternehmen die Folgen des Nahost-Konflikts für Verbrauchervertrauen und Logistik.

Für den Käufer wird damit das Prüfzeugnis wichtiger als der Karatpreis. Ein Zertifikat einer anerkannten Prüfstelle weist aus, ob ein Stein natürlich oder im Labor entstanden ist, und benennt Gewicht, Schliff, Reinheit und Farbe; ohne diese Angaben lässt sich ein Preis nicht einordnen. Wie sich ein solches Gutachten lesen lässt und woran sich die Prüfstellen unterscheiden, zeigt ein Leitfaden zum Lesen von Diamant-Zertifikaten des Fachportals.

Fünf Kennzahlen, an denen Schmuckhersteller den Einkauf 2025 messen

Für Schmuckhersteller in Europa beschreiben fünf Kennzahlen aus der Statistik des Kimberley-Prozesses für 2025 den Markt, auf dem sie einkaufen.

Einfuhren der Europäischen Union: 31,6 Millionen Karat im Wert von 3,53 Milliarden US-Dollar, nach 37,6 Millionen Karat und 4,41 Milliarden US-Dollar im Jahr 2024

Einfuhren Indiens, des größten Schleifstandorts: 106,1 Millionen Karat im Wert von 11,07 Milliarden US-Dollar

Förderung Angolas: 15,2 Millionen Karat im Wert von 1,81 Milliarden US-Dollar, ein Anstieg gegenüber 14,0 Millionen Karat im Vorjahr

Förderung Kanadas: 14,1 Millionen Karat im Wert von 0,89 Milliarden US-Dollar

weltweiter Durchschnittspreis der Förderung: 93,43 US-Dollar je Karat, nach 88,35 US-Dollar im Jahr 2024

Die nächsten Zahlen kommen aus zwei Richtungen. De Beers veröffentlicht seinen Förderbericht für das dritte Quartal 2026 nach dem bisherigen Rhythmus im Oktober 2026; er zeigt, ob die angekündigte Drosselung eingetreten ist. Die Jahresstatistik des Kimberley-Prozesses für 2026 folgt erfahrungsgemäß im Sommer 2027. Bis dahin gilt für Käufer: Der Preis eines Steins erklärt sich im Herbst 2026 weniger aus seinem Gewicht als aus seiner Herkunft, und die steht im Zertifikat.

Über "Provimedia GmbH":
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